Samstag, 2. August 2008

Handlung und Personen des Krimis sind vom Auto frei erfunden worden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist zufällig.

Personenregister:
Charly Kammeier, Kommmissar
Simone Schwarzkopf, Kommissarin
Klaus Engelhardt, Kommissar
Li Chang, Sozialarbeiter
Feng Wang geb. Lehmann, Abteilungsleiterin im Amt
Hu Wang, Senator
Mara Lehmannn
Reiner Lehmann
Kurt Waller
Hinnerk Frahm
Lenden

1. Kapitel
Immer wieder musste er daran denken, wie er sich Tag um Tag von ihr ignoriert und schlecht behandelt gefühlt hatte. Sie sagte guten Morgen und sie sagte auf Wiedersehen. Ansonsten war sie den ganzen Tag unterwegs und redete nicht mit ihm. Feng Wang war seine Chefin und es war schon am ersten Tag klar, dass sie keine Lust hatte mit ihm zu reden, ihn einzuarbeiten oder ihm zu helfen. Sie ließ ihn inmitten vielen Hilfesuchender alleine. Frau Wang war viel unterwegs, während dessen kamen Bürger, und er hatte keine Ahnung, war nicht eingearbeitet, und wollte Hilfe. Wann kommt Frau Wang wieder? fragten sie ihn, er wusste es nicht, und er konnte ihnen auch nicht helfen.
Diese Erinnerungen und der Hass auf Frau Wang kamen immer wieder hoch wie ein Flashback, und am liebsten wäre er sofort in diese vornehme Gegend gefahren, abends im Dunkeln, hätte sein Auto in der Nähe der Villa abgestellt und sie beim nach Hause kommen überfallen, ihr einen Sack über den Kopf gestülpt und drauf gehauen. Mit einem Baseballschläger oder etwas Anderem.
Aber...
Ein paar Wochen später. Ein Mann in Schwarz gekleidet mit einem Elbsegler auf dem Kopf und Lederhandschuhe an den Händen saß am 29. Juni in einem Abbruchhaus am Ende der 5. Straße, die ins Nichts führte. Manche nannten diese Gegend auch scherzhaft Bronx. Das Haus hatte zwei Stockwerke und war unterkellert. Hier hatte er seine Feindin hin verschleppt, hielt sie gefangen und war dabei, eine Flasche Rotwein zu leeren.
Er hatte ihr ein Pflaster auf den Mund geklebt, damit sie nicht schreien konnte. Aber hier war weit und breit kein Mensch, mochte sie doch schreien. Er saß mit seiner Gefangenen im Parterre und hatte eine Vorrichtung gebastelt, mit der er sie quälen wollte.
So, dachte er, jetzt muss sie endlich mit mir reden, außer guten Tag und guten Weg. Er schlug ihr mit der Reitpeitsche eins rüber.
Irgendwie stöhnte sie leise, aber das war ihm zuwenig.
Er wollte seine Freundin leiden sehen und zwar richtig.
Er hatte eine Streckbank wie im Mittelalter vorbereitet, auf die er die schlanke Frau festband, um dann langsam die Schraube anzuziehen.
"Warum hast Du nicht mir geredet?
Was sollte der Psychoterror?"
Während sie da nackt auf der Streckbank lag mit ihrem kleinen Hintern, schlug er noch einmal und noch einmal mit der Peitsche zu.
"Warum hast Du mir das angetan?"
Jetzt nahm er ihr das Pflaster ab, damit sie reden konnte. Aber sie schwieg.
"Das Jahr mit Dir im Amt war die Hölle auf Erden für mich."
Er hatte jetzt ein scharfes Messer aus der Hosentasche gezogen und begann ihre Schenkel auseinander zu drücken. Dann zog er das Messer von unten nach oben mit einem kräftigen Druck hoch. Weil sie sich gewehrt hatte, klappte es nicht gleich, sie von unten nach oben aufzuschlitzen.
Frau Wang schwieg immer noch.
Der Mann band sie von der Foltermaschine los.
Frau Wang war jetzt verletzt. Sie blutete. Nackt stand sie vor ihm. Irgendwie fand er ihren Anblick erregend.
Und wieder fragte er sie:
"Warum hast Du mir das Leben zur Hölle gemacht? Was hatte ich Dir getan?"
Spontan schlug er ihr mit der Hand ins Gesicht.
Sie sah ihn mit einem verachtenden Blick an. Er schlug noch einmal und noch einmal zu. Dann band er sie an die Maschine, und versuchte von hinten in sie einzudringen. Aber irgendwas funktionierte nicht. Während er hinter der nackten Frau stand und versuchte sein Genital in sie einzuführen, sagte sie: "Ich verachte Dich."
Er hatte ihren kleinen Hintern zwischen seinen Händen und musste irgendwie lachen.
Endlich konnte er ihr mal zeigen, wer der Chef war.
Sie leistete merkwürdigerweise keinen Widerstand. Sie fühlte sich nackt gut an, und dass wo er sie von ganzem Herzen hasste. Das Blut rann an ihren Beinen hinunter. Der Mann begann sich nun kräftig in ihr zu bewegen und er hatte das Gefühl, dass sie sogar mitmachte. Leise hörte er sie stöhnen. Allmählich begann es ihm Spaß zu machen, er drang immer tiefer und ungestümer in sie ein und er hörte sie lustvoll stöhnen und jammern. Er hielt sich an dem Hintern fest den er so liebte, als sei es die Welt. Nun hatte er ihre kleinen Brüste zu fassen und stieß wieder tief und befriedigt in sie ein.
"Ach, ach," hörte er sie stöhnen. Aber der Mann war verkrampft und kam nicht. Er löste sich von seiner verhassten Freundin, legte sie vorsichtig auf ein Bett.
Der Mann sagte laut zu ihr:
“Ich habe es für uns getan. Du warst die einzige Frau in meinem Leben, die ich trotz alledem geliebt habe. Ich habe es für Deinen Mann getan, den Du betrogen hast. Und für alle, die Du schlecht behandelt hast.“
Dann rammte er ihr sein Messer ins Herz. Einmal, zweimal, dreimal. Sein irres Lachen hallte durchs Haus. Langsam starb Frau Wang auf dem Bett. Er brachte die Leiche in den Keller und versteckte sie dort hinter einer vollgepackten Regalwand. Danach verschloss sich die Eisentür. Der Mann verließ das Haus in der Dunkelheit und hatte das Gefühl, dass die Wände sich bewegten. Er stand eine ganze Weile vor dem Abbruchhaus, rückte seinen Elbsegler zurecht und betrachtete die vom Mond beleuchteten Fenster und den Hauseingang. Jemand hatte die Fenster von außen mit Holz vernagelt. Auch der Hauseingang war mit Holzlatten zugenagelt worden. Niemand wusste, wem das Haus gehörte. In Vandenburg-Süd gab es eine ganze Reihe solcher leer stehender Häuser, um die sich die Eigentümer schon lange nicht mehr kümmerten.
Der Mann schloss den Reißverschluss seiner Hose. Er wischte das blutige Messer an einem Lappen ab, den er im Keller fand. Laut sagte er zu sich:
"Ich muss morgen mit dem Wagen wieder kommen und die alte Hure wegbringen."
Ein Gefühl ungeheurer Befriedigung und Macht beherrschte den Mann. Er fühlte sich wie Gott. Auf eine nicht zu benennende Weise hatte ihn der Sex mit seiner Freundin befriedigt. Und in diesem Augenblick hätte er nicht sagen können, ob sie seine Freundin oder Feindin war. Er holte tief Luft und atmete die Abendluft ein. Er blickte noch einmal auf das Haus und bildetet sich ein, dass im 1. Stock Licht schimmerte aus den vernagelten Fenstern, aber Quatsch, dass war nur der Vollmond.
In einem Augenblick von Klarheit fragte er sich, ob er Spuren hinterlassen hatte. Nein, kein Sperma, kein Blut.
Im Laufe des Abends hatte er die ganze Flasche Rotwein geleert. Sehr langsam torkelte und schlurfte er die 5. Straße hinunter.

2. Kapitel
An diesem Abend fand das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft Deutschland gegen Spanien statt. Kommissar Charly Kammeier hatte es sich zusammen mit seiner Frau Maria vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Nein, Kammeier war kein Fußballfan. Kammeier hasste Fußball. Es interessierte ihn einfach nicht. Aber die Stimmung in Vandenburg stieg von Stunde zu Stunde. Gegenüber rüsteten die Fußballfans schon mit Deutschlandfahnen und Bierkisten auf. Im Internet hatte Charly Kammeier die Aufstellung der deutschen Mannschaft gelesen und es hatte ihn gepackt. Ihm waren die Tränen gekommen. Michael Ballack, Schweinsteiger, Poldi, Klose und andere Spieler deren Namen ihm auch bekannt waren. Es lief ihm kalt den Rücken herunter.
Diese Spieler waren für ihn schon jetzt Legenden. Kammeier schwärmte für Poldi und Schweini. Seine Frau wünschte sich, dass sie ab 20.15 Uhr einen Krimi gucken sollten. Na gut, meinte Kammeier. Aber um 20.45 Uhr schalten wir dann mal rüber, ich möchte die Nationalhymne hören.
Wenn Kammeier die deutsche Nationalhymne hörte, ging es mit ihm durch, ihm kamen jedes Mal Tränen der Rührung.
Charly Kammeier fieberte mit der deutschen Nationalmannschaft mit. Er glaubte, dass Deutschland eine Chance hatte zu gewinnen.
Auch wenn sie den Liebesfilm schauen würden, eins war klar: wenn ein deutsches Tor geschossen wurde, würde er es mit bekommen: Von den Balkonen hörte er dann jedes Mal dieses typische: Oooooooooooooooh!
Er sah auf seine Uhr. Es war 19.48 Uhr. Bald würde es losgehen.
Noch einmal las Kommissar Kammeier die Sätze im „Spiegel“, die ihn elektrisiert hatten:
"Ballack gilt als wichtigster Spieler der DFB-Elf und hat in 86 Länderspielen 38 Tore erzielt. Bei der EM in Österreich und der Schweiz hat er bislang zweimal getroffen. Bastian Schweinsteiger wird ihm im rechten Mittelfeld zur Seite stehen, über die linke Außenbahn soll erneut Lukas Podolski für Torgefahr sorgen."
Der Fußballhasser Kommissar Kammeier musste zugeben, dass er aufregt war wegen des Fußballspiels.
In diesem Augenblick klingelte Kammeiers Handy.
Es war sein Freund Li Chang aus Dagenhausen. Der Mann, der im Süden von Vandenburg im Verein "Help" als Sozialarbeiter im Einsatz war und dort Alkoholiker und psychisch Kranke betreute.
"Hallo Charly, hier Li. Wie geht es Dir?"
"Och", meinte Kammeier, "ich drücke der deutschen Mannschaft die Daumen, dass sie Europameister wird. Und Du?"
"Tut mir leid Charly, aber ich habe ein Problem. Ich komme gerade von einem Ausflug und wir sind die 5. Straße hinauf gefahren, da hat mich einer von meinen Klienten angesprochen. Der wohnt in einem Abbruchhaus am Ende der 5. Straße, am Ende der Welt."
"Und?" fragte der Kommissar.
"Der Mann heißt Lenden und wohnt dort seit einiger Zeit ohne Genehmigung im I. Stock. Heute Morgen hat er im Keller des Hauses eine Frauenleiche gefunden. Er hat sich nicht getraut zur Polizei zu gehen, weil er Angst hatte, man könne ihn verdächtigen. Ich habe mir die Leiche mal angeschaut, sie sieht übel zugerichtet aus."
Kommissar Kammeier hatte einen leichten Schreck bekommen. Mein Gott, dachte er, der schöne gemütliche Sonntagabend mit Maria. Das sieht wieder nach Überstunden aus. Zu seinem Freund sagte er:
"Li hör zu, ich komme. Bleib bitte vor Ort. Rührt nichts an. Ich sage in der Zentrale Bescheid, dass sie die Kriminaltechnische Abteilung, einen Streifenwagen und den Pathologen Dr. Schulz schicken."
Kommissar Charly Kammeier wuchtete seine massigen 1,90 Meter aus dem Sessel und setzte sich in Bewegung.
Maria hatte das Telefonat mit angehört und meinte nur:
"Na, ist es wieder soweit? So kannst Du das Fußballspiel vielleicht im Auto verfolgen."
Sie umarmte ihn und meinte:
"Bis später Charly, komm nicht so spät. Melde Dich mal, ich mache mir sonst Sorgen."
Kommissar Charly Kammeier holte tief Luft, zog seine Jacke über, steckte sein Handy ein und ging runter zum Auto. Als er in seinem neuen 3er BMW saß, verharrte er einen Augenblick und dachte:
Mein Gott, den Motor hört man ja gar nicht.
Nur die Klimaautomatik machte laute Geräusche. Auf seiner Armbanduhr war es genau 20.10 Uhr. Die Armatur zeigte eine Außentemperatur von 21,2°C an.


3.Kapitel
Als der Kommissar vor dem letzten Haus in der 5. Straße angekommen war, erfasste ihn ein leichtes Grausen. Die Häuser standen leer. Auf der Straße lag der Müll. Gegenüber lungerten ein paar wild aussehende Jugendliche vor einem Schuppen herum. Sie erinnerten ihn an die U-Bahnschläger aus der Presse. Am letzten Haus in der 5. Straße fiel der Putz von der Hausfassade und die Fenster und Türen hatte man mit Holzlatten vernagelt. Es sah unbewohnt aus. Am liebsten wäre der Kommissar im Auto sitzen geblieben, weil er das Gefühl hatte, das gleich jemand über ihn herfiel.
Vor dem Abbruchhaus stand ein blauer Streifenwagen.
Kommissar Kammeier stieg langsam aus seinem BMW aus, streckte seine 1,90 Meter aus dem Auto und dachte:
Hoffentlich demoliert mir keiner den Wagen, wenn ich im Haus bin. Die da drüben sehen ungemütlich aus.
Kurz darauf erschien der dickbäuchige Pathologe Dr. Schulz, der eine Havanna rauchte und dieses Dauergrinsen im Gesicht hatte. Die Beamten des Streifenwagens sorgten dafür, dass der Zugang zum Haus ermöglicht wurde. Von irgendwo her aus dem Haus tauchte Li Chang auf und führte Charly Kammeier zunächst nach oben zum Zeugen.
Als Kammeier die Wohnung von Lenden betrat, roch es nach Urin und Staub.
Auf dem Tisch lagen leere Bierflaschen, unter dem Tisch entdeckte Kammeier mehrere Flaschen Korn sowie einen Eimer mit Lederhandschuhen. Kammeier hielt sich die Nase zu, weil er den Uringestank nicht ertragen konnte.
Ein schlanker in schwarz gekleideter Mann mit Elbsegler auf dem Kopf, erhob sich und blickte den Kommissar ängstlich an. Kammeier schätzte den Mann auf Anfang 40, er hatte lange Haare und wirkte etwas ungepflegt.
Es sah in der Wohnung schrecklich dreckig und verwahrlost aus.
Li Chang meinte zu Kammeier:
"Lenden hat morgens beim Aufstehen diese merkwürdige Foltervorrichtung im Parterre und hat dann im Keller hinter einem Regal diese Leiche entdeckt."
Kommissar Kammeier meinte zu Lenden:
"Kannten Sie die Tote?"
Lenden lief rot im Gesicht an. Verlegen kratzte er sich am Kinn und meinte dann:
„Ich hatte mal eine Zeitlang einen 1-Euro-Job bei einer Beschäftigungsgesellschaft, da hatte ich hin und wieder mit ihr zu tun. Wir mussten Möbel zu Bedürftigen bringen.“
Kammeier hakte nach:
„Und wann hatte Sie zuletzt mit Frau Wang dienstlich zu tun?“
„Mein Job ging letzte Woche dort zu Ende. Da hatte mich meine Stelle noch einmal zu ihr geschickt, ich sollte Unterlagen abholen. Aber die war ja so eingebildet, die redete ja mit unsereins nicht. Guten Tag und guten Weg.“
Kammeier fuhr fort:
"Kommen Sie Lenden, zeigen Sie uns, wo sie die Leiche gefunden haben."
Vorbei an der selbst gebastelten Foltervorrichtungen stiegen sie über eine steile Treppe in den Keller. Es roch feucht und kalkig.
Lenden und Dr. Li Chang gingen voraus.
Durch ein Kellerfenster drang Licht.
Dann entdeckte Kommissar Kammeier die Frauenleiche.
Er kannte die Frau. Sie war die Frau eines hohen Funktionärs der Bürgerlichen Partei. Hu Wang bekleidete die Funktion, eines Senators in Aldera und war Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft. Kammeier schätzte Frau Wang auf 55 Jahre. Sie war eine schlanke und lebenslustige Frau gewesen. Nun aber sah sie jämmerlich zugerichtet aus. Kammeier wunderte sich, warum die Frau in nacktem Zustand verblutet war. Der Kommissar machte den Kollegen von der KTA ein Zeichen, dass sie mit ihrer Arbeit beginnen konnten.
Zu Lenden gerichtet fragte der Kommissar:
"Wann haben Sie die Tote gefunden?"
Lenden meinte:
"Ich bin gegen 9 Uhr aufgewacht. Hatte viel getrunken gestern Abend, und bin dann runter gegangen."
Charly Kammeier nahm seinen Freund Li Chang an die Seite und meinte:
"Was ist das für ein Typ, der sie gefunden haben will? Traust Du ihm einen Mord zu?"
"Lenden hat schon einige Jahre wegen schwerer Körperverletzung in einem Hochsicherheitstrakt im Süden Platagoniens gesessen", meinte Chang, "wenn er etwas getrunken hat, rastet der schnell aus. Er hat eine geringe Frustrationstoleranz. Ich halte ihn für gefährlich und gefährdet. Aber diese Sache hier, ich weiß nicht so Recht."
Kammeier musste grinsen und meinte:
"Du und Deine Klienten."
Zu Lenden gewandt sagte der Kommissar:
"Herr Lenden, Sie kommen bitte morgen in mein Büro, wir brauchen noch ein paar Daten von Ihnen."
Lenden nickte.
Nachdem Dr. Schulz die Frauenleiche untersucht hatte, meinte er zu Kommissar Kammeier:
"Die Leiche weist Verletzungen an den Armen und Beinen auf wie man sie von Folterungen kennt. Außerdem haben wir Verletzungen im Genitalbereich und des Unterbauches gefunden, so als habe der Täter versucht, die Frau von unten aufzuschlitzen, was aber wohl nicht gelang. Sie hatte viel Blut verloren. Es sieht nicht so aus, als habe ein Kampf stattgefunden. Kannten sich Opfer und Täter?
Sie ist an mehreren Messerstichen im Herzbereich verstorben.
Warum hat sich die Frau nicht gewehrt?
Wie hat er die Frau hierher geschleppt?
Todeszeitpunkt vermutlich Samstagabend zwischen 20 und 22 Uhr.
Mehr kann ich Ihnen im Moment nicht sagen, Kommissar."
Kommissar Kammeier hörte durch das Kellerfenster, dass es draußen regnete.
"Danke Dr. Schulz", sagte er und betrachtete die Frauenleiche.
Kommissar Charly Kammeier kannte die Frau. Sie hatte in der Ortsverwaltung gearbeitet und dort eine verantwortliche Position bekleidet. Sie hieß Feng Wang.
Sollte es ein politisches Motiv geben? Ihr Mann war bei vielen wegen seiner arroganten Art verhasst. Oder hatte sie sich in der Arbeit Feinde gemacht?
Man würde nicht darum herumkommen, mit Herrn Wang zu reden.
Kammeier verließ die anderen und trat auf die Straße, der Anblick der Leiche war ihm nahe gegangen. Das war in der Tat nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Er konnte kein Blut sehen.
Er überlegte krampfhaft, wo Feng Wang genau gearbeitet hatte.
Die Beamten des Streifenwagens musterten den Kommissar ungeniert.
Es regnete immer noch. Überall auf der Straße hatten sich Regenpfützen gebildet.
Gott, dachte er, was für eine Gegend.
Im gegenüber liegenden Abbruchhaus schaute ein Mann misstrauisch aus dem Fenster, der nicht gesehen werden wollte.
Er beobachtete den Kommissar dort drüben interessiert und überlegte, was die Polizei hier zu suchen hatte.
Kommissar Kammeier ahnte von der Anwesenheit des Mannes nichts, er dachte: Man wird die Umgebung, den Bekannten- und Freundeskreis der Toten befragen müssen. Was hatte den Mörder zu einer solch bestialischen Tat getrieben? Geld und Papiere hatte sie noch in ihrer Bekleidung bei sich gehabt.
Der Mörder hatte die Frau hier ans Ende der Welt gebracht, weil er geglaubt hatte, er sei hier mit ihr alleine. Er hatte nicht daran gedacht, dass oben in einem solchen verrammelten Haus noch ein Obdachloser hausen würde.
Es sprach allerdings auch viel dafür, dass Lenden der Mörder war. Vielleicht hatte er sich von ihr schlecht behandelt gefühlt. Geringe Frustrationstoleranz, der hatte doch schon wegen Körperverletzung gesessen.
Am nächsten Tag würde es in den Vandenburger Nachrichten stehen.

Es war schon spät an diesem Abend, als der Kommissar zu seinem Auto ging. Eine Möwe hatte auf seinen Wagen geschissen. Der Regen hielt weiterhin an. Typisch Vandenburg dachte er. Er schaute auf seine Armbanduhr. Es war 22.23 Uhr.
Er musste an seine junge Kollegin Simone Schwarzkopf denken und wünschte sich hemmungslos Sex mit ihr. Uih uih, dachte er bei sich. Habe ich mich vielleicht in Simone verliebt?


4. Kapitel
Einige Tage später an einem Samstagmorgen. In Vandenburg herrschte ein merkwürdiges Wetter. Die graue Wolkendecke machte keine Hoffnung darauf, dass die Meteorologen Recht bekommen sollten mit Ihrer Voraussage, es würde sonnig bis 22°C werden.
Vandenburg lag am Nordmeer und hatte einen Container- und Fischhafen. Vandenburg lag in Platagonien. Die Bezirkshauptstadt von Platagonien hieß Aldera und lag ca. 70 Km nordöstlich von Vandenburg. Nördlich von Vandenburg am Nordmeer lag die Stadt Qindao.
Der Kommissar saß noch Zuhause, spielte aber mit dem Gedanken, später ins Büro zu fahren.
Charly Kammeier hatte zu lange geschlafen und fühlte sich katerig, er hatte Kopfschmerzen und sein Kreislauf war im Keller.
Der Fall hielt sie in Atem und seine Kollegin Simone Schwarzkopf wollte auch im Büro arbeiten. Ein Grund mehr nicht alleine im Büro zu sitzen.
Nachdem der Kommissar am Sonntagabend am Tatort gewesen war, hatten sie am Montagmorgen um 9 Uhr Teamsitzung gemacht. Er hatte die Arbeit zwischen seinen Mitarbeitern Klaus Engelhardt, Simone Schwarzkopf und sich verteilt. Daraufhin hatte Klaus Engelhardt im Internet, im Polizeiarchiv, im Archiv der „Vandenburger Nachrichten“ und im Stadtarchiv Informationen recherchiert. Engelhardt hatte von seinen Ermittlungen am Dienstag berichtet:
"Hu Wang ist 72 Jahre alt, er entstammt einer alten Rechtsanwaltsfamilie und gilt als vermögend mit guten Beziehungen zur Oberklasse. Kritiker behaupten, er sei ein Mann, der hinter der Bühne die Strippen zieht. Er sei einer von denen die den Bürgermeister an der langen Leine führen.
Dann habe ich noch einen Artikel aus den Vandenburg News aus dem Jahre 1998 gefunden, in dem ihm vorgeworfen wurde, er habe seine damalige Frau ermordet. Es gab einen Gerichtsprozess, aber er wurde mangels Beweisen frei gesprochen. Seiner Frau hatte früher die Bicker-Werft gehört. Das gesamte Vermögen fiel an Hu Wang. In einem bösartigen Kommentar schrieb der Reporter einer alternativen Zeitung, Hu Wang habe seine Frau von einem Mann umbringen lassen. Aber wie gesagt, das sind Gerüchte.
Wang ist Vorsitzender der einflussreichen Deutsch-Chinesischen Gesellschaft, er ist seit langer Zeit Mitglied der Bezirksregierung in Aldera. Wang gehörte immer zur Kanalarbeiterfraktion der Bürgerlichen Partei.
Man munkelt, er habe eine junge Geliebte, verkehre in einem obskuren Erotikclub namens „Pandei“ und habe Kontakte zur Mafia.
Hu Wang war zwanzig Jahre älter als seine 55jährige Frau. Er hatte in den verschiedensten Organisationen gearbeitet und an leitender Stelle für die Partei gearbeitet. Insider wussten, dass er mit den Sekretärinnen Verhältnisse hatte.
Wang war verhasst."
Simone Schwarzkopf hatte das Amt besucht, in dem Frau Wang bis zuletzt als Abteilungsleiterin gearbeitet hatte. Ergebnis der Befragungen: Sie galt als unbeliebt, ja man konnte sagen, sie war verhast, weil sie glaubte, etwas Besseres zu sein. Sie hatte Vitamin B. Sie grüßte kaum, und nahm andere Menschen nicht zur Kenntnis.
Einer ihrer Mitarbeiter meint dann offen heraus:
"Das war wohl die Gerechtigkeit. Sie hat ja auch hier offen gemobbt und Kollegen schlecht behandelt. Das schlimme war, keiner mochte etwas sagen aus Angst, weil die Kontakte nach oben zur Stadtregierung hatte."
Am Mittwoch lag der Bericht der KTA und der Bericht von Dr. Schulz vor.
Man wusste, dass Frau Wang am Samstag gegen 22 Uhr dort im Haus ermordet worden war. Man hatte Folterspuren an den Füßen und Händen gefunden. Dr. Schulz äußerte die Vermutung, es könne Geschlechtsverkehr zwischen Opfer und Täter stattgefunden haben kurz vor dem Tod.
Kammeier entschloss sich spontan, nicht ins Büro der Kripo im Fischhafen, Halle V zu fahren, sondern in die Dürerstraße 2 zu Senator Wang. Auf dem Weg dahin kamen ihm die Erinnerungen daran, dass Hu Wang und seine Partei für Korruption, Vetternwirtschaft, Vitamin B und Arroganz der Macht stand, und das seit 50 Jahren in dieser Stadt. Konnte es sein, dass hier politische Motive eine Rolle spielten, wollte jemand Hu Wang, den Oberstrippenzieher der Bürgerlichen Partei (BP) demütigen, kränken und fertig machen?
Wang war für viele in dieser Stadt auch insofern gefährlich, weil er angesichts des zunehmenden Einflusses der Volksrepublik China als Vorsitzenden der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft auch über diese Flanke Macht hatte. China war eine Supermacht, und viele Schiffsladungen Container und Autos gingen nach China.

Auf dem Weg zu Hu Wang überschwemmte ein Dauerregen die Straße.. An der Kreuzung zur Autobahn musste der Kommissar anhalten. Es schüttete von oben ohne Ende. Die gigantischen Trucks wummerten an ihm vorbei. Es roch feucht vom Regen. Und in seinen Ohren war dieser unaufhörliche Motorenlärm der vorbeifahrenden LKWs. Anfahren und Stoppen an der Ampel. An der Kreuzung stauten sich die LKWs ohne Ende. Trucks mit Containern und Trucks mit Autos. Es brummte und wummerte. Wieder und wieder zog ein gewaltiger LKW vor seinem Fenster vorbei. Containercity.
Kammeier durfte endlich fahren und war kurz darauf in einer besseren Gegend nämlich der Dürerstraße 2 gelandet. Er stellte den silbergrauen 3er BMW ab und ging ein Stück zu Fuß trotz des Regens zu Fuß. Alles sah nass aus. Die Wolkendecke drückte nach unten. Das Haus Nr. 2 erinnerte ihn an einen Bahnhof, oder war es ein Einfamilienhaus? Er suchte den Eingang, aber das Haus schien keinen Eingang zu haben. Vor dem Haus Nr. 2 stehend hatte er plötzlich das Gefühl, das Haus habe gar keine Fenster. Komisch, dachte der Kommissar, wo ist hier der Eingang? Jetzt entdeckte er ein Fenster an der Vorderseite, das völlig rund war. Daraus hervor blickte ein älterer Herr, der aussah wie ein Chinese.
Nun aber entdeckte Kammeier den langersehnten Türeingang. Gerade aus. War doch ganz einfach. Er schritt auf die Tür zu, dann war sie wieder verschwunden. Um die Ecke kam Herr Wang und bat ihn grinsend ins Haus. Der Kommissar stellte sich vor und kondolierte.
Senator Wang sagte:
"Oh kommen Sie herein, Herr Kommissar, ich habe schon auf Sie gewartet."
Wang näselte etwas und wirkte mächtig, fettleibig und distanziert. Kammeier legte seine nasse Bekleidung ab. Von innen wirkte das Haus wie eine große runde Bahnhofshalle. Und in der Tat gab es dort links, wo es scheinbar zur Küche ging, auch einen Fahrkartenschalter.
Hu Wang machte dem Hausmädchen ein Zeichen, Kaffee zu bringen.
Sie setzten sich in eine Sitzgruppe am Fenster zum Wintergarten.
Hu Wang war ein kleiner, zierlicher Mann, der ewig lächelte. Kammeier schätzte ihn auf 75 Jahre alt.
Kommissar Kammeier gefiel das Haus, das innen angenehm eingerichtet worden war. Er machte sich klar, dass er hier war, um diesen Mann zu vernehmen wegen dem Tod seiner Frau. Sein Rücken fühlte sich auf merkwürdige Weise verspannt an. Er war es nicht gewöhnt mit solch einflussreichen und mächtigen Männern wie Hu Wang zu sprechen.
Hu Wang saß da, lächelte unverbindlich und wirkte aber auf seine Weise machtvoll.
Hu Wang fixierte den Kommissar und vielleicht dachte er, er könne den Kommissar mit einem Anruf bei seinem Kollegen, dem Innensenator aus dem Amt schnipsen.
Kammeier roch etwas Süßliches im Raum.
Die Haushälterin Nina kam und nahm Kammeier mit ihrem Charme völlig gefangen. Sie war klein, hatte ein schönes und liebenswertes Gesicht, und eine Art, dass man sie mögen musste, jeder Mann wurde in ihren Händen zu weichem Wachs. Einen Augenblick lang fragte sich Kammeier, ob sie schwanger sei. Sie hatte eine tolle Ausstrahlung. Er schätze die junge Frau auf 19 Jahre. Ihr Lächeln machte ihn glücklich und er hatte das Bedürfnis sie in den Arm zu nehmen.
Sie servierte Kaffee und etwas Gebäck.
Senator Hu Wang saß da wie ein Bhudda, der alle Macht dieser Welt repräsentierte.
Kommissar Kammeier fragte sich, was er hier machte und was er den aalglatten Chinesen fragen wollte. Hatte er etwas mit dem Mord an seiner Ehefrau zu tun?
Der Kommissar sagte:
"Wir haben Ihre Frau am Sonntag Abend in einem Abbruchhaus am Ende der 5. Straße ermordet vorgefunden. Haben Sie eine Erklärung wie Ihre Frau dorthin gekommen ist?"
"Nein. Wissen Sie, Kommissar Kammeier, ich habe meine Frau am Samstagmorgen zuletzt beim Frühstück gesehen. Da kam sie gerade von Kurt Waller. Es gab Streit wie häufig in letzter Zeit. Sie warf mir vor, ich hätte ein Verhältnis mit unserer Haushälterin Nina.“
Der mächtige Senator erinnerte den Kommissar immer mehr an ein mächtiges grinsendes Ungetier. Dabei blieb er immer freundlich, dass man das Fürchten bekommen konnte.
“Und haben sie ein Verhältnis mit ihrer Haushälterin?“ fragte Kammeier.
Das Haus schien sich auf der Stelle zu drehen wie ein Abstellbahnhof und Hu Wung sagte lächelnd:
“Die Frage sollten Sie Nina stellen. Meine Frau stammt an sich aus Qindao, dieser scheinbar chinesischen Stadt im Norden von Vandenburg. Dort ist sie aufgewachsen. Eine Cousine von ihr wohnt in der 5. Straße, dort wo die Müllabfuhr nicht mehr hinkommt und wo es Küchenschaben und Ratten gibt."
Kommissar Charly Kammeier atmete friedlich durch. Er wusste nicht recht, was er von diesem Hu Wang halten sollte. Der mächtige Senator war um die 75 Jahre und seine jüngere Frau war 55 Jahre alt gewesen. Sie hatten noch zusammen gewohnt, aber sonst war jeder seines Weges gegangen.
Wie hatten sie sich kennen gelernt?
Hatte Feng Wang Feinde gehabt?
Was war Feng Wang für ein Mensch gewesen?
Das Haus dreht sich erneut, aber nur ein kleines Stück. Kommissar Kammeier blickte durch ein mittelgroßes Fenster nach draußen in den grünen Garten. Dort tauchte ein in schwarz gekleideter junger Mann mit einem Elbsegler auf dem Kopf auf und verschwand sofort wieder.
“Was war Ihre Frau für ein Mensch?“ wollte der Kommissar wissen.
Der Mann von der deutsch-chinesischen Gesellschaft wirkte jetzt traurig, aber auch schmierig, ja ekelig, als er anfing zu erzählen:
“Sie ist das alles nur durch mich geworden. Ich habe sie da aus Qindao mitgebracht. Gut sie konnte vorher schon platagonisch, deutsch und chinesisch sprechen, und sie wollte immer hoch hinaus. Sie war ehrgeizig und ging über Leichen. Aber ihre Funktion als Abteilungsleiterin im Amt für besondere Angelegenheiten hatte sie aufgrund von Beziehungen und weil sie Spezialistin für Nordmeerangelegenheiten war.“
“Hatte Ihre Frau Feinde?“ wollte der Kommissar wissen.
“Ich vermute ja“, meinte Hu Wang ausweichend.
Charly Kammeier hatte keinen Joint geraucht, aber er hatte auf einmal das Gefühl, als bliebe die Zeit stehen, Jeder Augenblick bildete sich wie ein Diabild ab und blieb kurz stehen.
Draußen im Garten herrschte Hochsommer. Das Haus dreht sich wieder ein Stück und seine Uhr zeigte den 25. Juli an. Kommissar Kammeier fand das nicht merkwürdig. Wieder atmete er schwer und fragte den Senator:
“Können Sie ihre Vermutung konkretisieren?“
Es schien einen Augenblick so, als habe sich Herr Wang die Haare gefärbt. Dann japste er nach Luft und näselte:
“In der Dienststelle hatte sie sicherlich Feinde, so unsensibel wie sie mit den Untergebenen umging. Einer hatte sich sogar mal beschwert. Aber sie konnte dann einen besseren Posten bekommen und die Sache hatte sich ohnehin erledigt.
Mit den Nachbarn hier in der Dürerstraße pflegte sie nicht viel Kontakt. Aber vielleicht in Qindao, wo sie her kommt. Meine Frau ist eine geborene Lehmann aus Qindao. Sie hieß früher Katharina ist dann aber zum Chinesischen konvertiert und nannte sich ab unserer Heirat Feng Wang. Ihre Mutter, Mara Lehmann, hat eine Pension in Qindao am Nordmeer. Feng Wang hat dort lange in der Kurverwaltung in leitender Stellung gearbeitet. In Qindao wohnt auch ihr Freund Kurt Waller, mit dem sie lange zusammen war, der aber sehr schlecht auf sie zu sprechen ist.
Vielleicht wollte auch jemand mir eins auswischen. Jemand aus der Bürgerlichen Partei, der neidisch auf mich ist oder jemand von der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft. Ich denke da besonders an meinen Stellvertreter Herrn Baumann.“
Der Kommissar fragte sich, ob Hu Wang ein Motiv hatte seine Frau umzubringen oder umbringen zu lassen. Welche Vorteile hätte er davon? Sicherlich wollte er nicht seine 19jährige Haushälterin heiraten, oder doch vielleicht?
Im Laufe des Gespräches begann der Kaffee immer mehr zu wirken und Hu Wang wurde redselig.
Nach den Untersuchungen der KTA und des Pathologen Dr. Schulz war klar, dass der Mörder ein Mann gewesen sein musste. Feng Wang war entweder vergewaltigt worden oder aber sie hatte mit ihrem Mörder Geschlechtsverkehr vor dem Mord gehabt.
Wer konnte eine solche Wut auf Feng Wang haben, dass er sie von unten bis oben aufschlitzen wollte? Wer hatte ein solch elementares Interesse Frau Wang zu demütigen?
Ihr Profiler Sven Vanderbelt hatte gemeint, es könne sich um die späte Rache eines Mobbing-Opfers handeln.
Seine Kollegin Simone Schwarzkopf, von der gesagt wurde, sie könne Gedanken lesen, meinte es könne sich in dieser Stadt nur um eine politische Intrige handeln. Selbstverständlich sei es der Ehemann gewesen.
Für Kommissar Kammeier kam auch immer noch der obdachlose Lenden aus dem 1.Stock in Frage. Und natürlich der Exfreund.
Kommissar Kammeier sagte zu Senator Wang, es sei spät geworden. Er bedankte sich für das Gespräch und die Auskünfte.
Der Senator lächelte süffisant und meinte zum Abschied:
“Grüßen Sie mir bitte Kriminaldirektor van Heukelum, er ist ein alter Bekannter von mir.“
Etwas anderes hätte mich auch sehr gewundert, dachte Kammeier und lächelte freundlich zurück.
Der Kommissar bat den Senator in das Zimmer von Frau Feng Wang schauen zu dürfen. Der Senator erwies sich als überraschend großzügig. Er zeigte ihm das Zimmer und meinte dann:
„Wenn Sie für Ihre Ermittlungen etwas brauchen, bedienen Sie sich, bringen Sie mir es aber unbedingt wieder zurück.“
Charly Kammeier durchsuchte das Zimmer, fand aber bis auf ein Tagebuch nichts Interessantes. Das Tagebuch steckte er in seine Jacke.
Gerade wollte Kammeier den Bahnhof verlassen, da begann sich die Wand zur Haustür hin zu biegen. Hu Wang lachte leise. Der Kommissar drehte sich um und sagte zum Senator:
“Wo waren Sie eigentlich am Samstag zwischen 20 und 22 Uhr?“
“Zuhause. Ich habe Fernsehen geschaut.“
“Was gab es denn?“
“Wilsberg.“
Kammeier: „Und gibt es einen Zeugen?“
Der Senator: “Ja, meine Haushälterin, sie hat mit mir zusammen den Krimi geschaut.“
Zum Abschied sagte der Kommissar zum Senator:
“Kommen Sie bitte am Montag morgen gegen 10 Uhr in unser Büro in der Fischhalle V, wir brauchen noch ein paar Daten von Ihnen.“
Im Garten traf er die Haushälterin. Das Haus sah jetzt fast normal aus. Nur das Fenster zum Garten hatte eine dreieckige Form. Der Kommissar meinte zur Haushälterin:
“Wo waren Sie am Samstag zwischen 20 und 22 Uhr?“
Hier im Haus, ich habe mit Herr Wang zusammen Wilsberg geguckt.“
“Und war der Senator die ganze Zeit dabei?“
“Nein, er bekam einen Anruf auf seinem Handy, und musste zwischendurch mal weg. Aber er hatte die Sendung ja auf Festplatte aufgenommen und wir konnten zeitversetzt später schauen.“
Der Kommissar war sich sicher, dass der Senator das Gespräch nicht belauschen konnte. Deshalb fragte er in einem vertrauten Ton weiter:
„Können Sie sich vorstellen, dass Herr Wang seine Frau umgebracht hat?“
Das Haus schien ganz leise und unmerklich zu beben.
Kommissar Kammeier atmete vorsichtig, um die Haushälterin nicht zu erschrecken. Ihr weiblicher Charme schmeichelte ihm. Ihr Lächeln verstrahlte alle Fröhlichkeit dieser Welt. Es war wie die Botschaft: ich kann dich glücklich machen.
Kammeier redete dachte: Ganz ruhig, das sind nur die Hormone.
Sie schaute sich misstrauisch um, ob ihr Chef sie hören konnte. Dann sagte sie:
„Ehrlich gesagt: Ja. Er hätte viele Gründe dafür gehabt. Sie hat ihn mit ihrem Exfreund ständig über Jahre betrogen. Sie war nicht nur auf sein Geld aus, sondern hat ihn auch erpresst. Entweder er überschreibt ihr sein gesamtes Vermögen oder aber sie zeigt ihn an, wegen Sklavenhandel, Prostitution, und anderes. Er leitete doch diesen Pandei-Club, in dem alte wollüstige Mann blutjunge Frauen vernaschen und auch mal schwängern.
Wusste Feng Wang zuviel? War sie dem alten Strippenzieher zu gefährlich geworden?
„Aber ich habe schon zuviel gesagt. Von mir haben Sie das nicht.“ Sagte Nina.
Sie ging hastig ins Haus und verschwand.

Das Fenster zum Garten hatte jetzt eine fast runde Form angenommen und sah aus, als lache jemand.
Kommissar Kammeier verließ endlich das Grundstück Dürerstraße 2 und beobachtete misstrauisch einen jungen Mann in schwarz auf der gegenüber liegenden Straßenseite mit einem Elbsegler auf dem Kopf.
Als Kammeier in seinen silbernen 3er BMW einstieg, musste er laut lachen, denn das Haus des Senators Wang sah nun wieder ganz friedlich und normal wie ein bürgerliches Reihenhaus aus. Es hatte zwei Fenster und eine Tür.

5. Kapitel
An diesem Morgen herrschte in Vandenburg hochsommerliches Sonnenwetter. Sie hatten Temperaturen bis 26°C angesagt und auch in den nächsten Tagen sollte es sonnig und warm bleiben. Kommissar Kammeier hatte sich zur Dienstbesprechung mit seinen Kollegen Simone Schwarzkopf, Klaus Engelhardt und Sven Vanderbelt getroffen. Vom Büro der Mordkommission aus hatte man einen guten Blick auf die alte Blicker-Werft, wo früher alte Seitenfänger gebaut worden waren. Heute sah man nur noch einen alten, restaurierten Helgen.
Kommissar Kammeier griff nach einem Becher heißen Kaffees und eröffnete das Gespräch.
“Ich habe gestern Senator Wang in seiner Villa verhört. Für mich bleibt er der Hauptverdächtige. Er hat zwar mit seiner Haushälterin zusammen Fernsehen geschaut, war aber nach einem Anruf noch mal weg. Vielleicht hat die Zeit gereicht. Da bleibt also noch eine Frage offen. Hat jemand in der 5. Straße an dem Abend den Daimler von Wang gesehen?
Als Verdächtiger kommt meines Erachtens auch der ehemalige Freund von Frau Feng Wang in Qindao in Frage. Er soll nicht gut auf sie zu sprechen gewesen sein. Des Weiteren soll es auf ihrem ehemaligen Arbeitsplatz im Amt Ärger gegeben haben. Sie hat doch wohl einen Untergebenen gemobbt, der sich beschwert hat. Daraufhin hat man sie versetzt, nach oben natürlich.
Die charmante Haushälterin kommt auch in Frage. Vielleicht hat sie ein Verhältnis mit Hu Wang, obwohl er ist 73 und sie 19. Das passt nicht so gut zusammen.
Charly Kammeier fuhr fort und sah dabei kurz nach draußen auf das traumhafte Sommerwetter:
„Klaus, Du rufst im Personalamt an und fragst, wo dieser ehemalige gemobbte Mitarbeiter von Feng Wang abgeblieben ist. Name, Geburtsdatum, Privatanschrift, Telefon-Nummer, neue Arbeitsstelle. Und überprüfe das Alibi von Hu Wang, ob jemand am Samstagabend zwischen 20 und 22 Uhr seinen Daimler dort gesehen hat.
An die Arbeit.“
Die Teamsitzung löste sich auf und Charly Kammeier blieb alleine zurück. Kammeier setzte sich an seinen PC, um einen Aktenvermerk über die laufende Arbeit zu schreiben. Bis der Anruf von Klaus Engelhardt kam. Engelhardt sagte am Telefon:
“Dieser ehemalige Untergebene heißt Kurt Waller. Er soll der Freund von Feng Wang gewesen sein. Er arbeitet seit einiger Zeit in der Kurverwaltung von Qindao und hat ein Zimmer in der Pension Lehmann. Diese Pension Lehmann gehört der Mutter von Katharina Lehmann, später nannte sie sich Feng Wang. Adresse: hinter dem Deich 15.“
“Gut gemacht Klaus, Klasse Arbeit.“
Kommissar Kammeier rollte die Augen und dachte: was für ein Zufall. Er rief sofort seine Kollegin Schwarzkopf an und sie vereinbarten, gegen 10 Uhr mit dem Auto nach Qindao zu fahren. Da Qindao nur 45 Km von Vandenburg entfernt lag, würden sie in einer halben Stunde dort sein.
Es würde ein heißer Tag werden, nicht nur weil Simone mit ihren nackten Beinen neben ihm im Auto sitzen würde, sondern vor allem weil sie einen heißen Sommertag angekündigt hatten.
Als Kammeier den BMW mit Klimaautomatik durch Qindao lenkte, meinte seine Kollegin:
“Ich will ja nicht meckern, aber das ist doch irgendwie eine eigenartige Stadt. Sie hat einen eindeutig chinesischen Charakter. Andererseits erinnert sie mich an manche deutsche Seebäder. Am besten gefällt mir allerdings die riesige weiße Sandbank dort draußen vor dem Deich.“
Tatsächlich waren sie nun bis an den Deich herangefahren. Viele Touristen waren auf der Promenade unterwegs. Die Sonne hatte schon Kraft. Sie stiegen aus.
“Lass uns ein Stück zu Fuß gehen“, meinte Kommissar Kammeier und lächelte. Simone schwärmte:
“Gott ist das schön hier. Diese Weite, wohin man guckt Natur, Salzwiesen, Sandbänke und Meer.“
Simone Schwarzkopf hatte ihre Schuhe ausgezogen und Charly Kammeier sie fand nun noch sexyer. Er setzte seine Sonnenbrille auf und schmunzelte.
Kammeier atmete den Seewind vom Nordmeer ein. Die Straße führte hinter dem Deich entlang. Kurz darauf standen sie vor einem mittelgroßen Haus aus rotem Klinkerstein mit der Nr. 15. Hatte das Haus nicht in Wirklichkeit eine grünliche Farbe?
Kommissar Kammeier hatte noch nie ein so seltsames Haus gesehen. Beim ersten Hinblicken erschien es ihm vorne schmal zu sein, eine Eingangstür in der Mitte und links und rechts je ein Fenster zu haben. Nach hinten hin wurde das Haus länger. Aber wenn er seinen Standpunkt wechselte, hatte er plötzlich das Gefühl, das Haus Nr. 15 wachse in die Breite, ja es sei ein außerordentlich breites Haus und nach hinten habe es kaum Tiefe. Merkwürdig. Er griff in seine Jackentasche und holte seine kleine Digitalkamera heraus. Zur Sicherheit fotografierte er das Haus von mehreren Seiten. Als er sich das erste Foto auf dem Display anschaute, entdeckte er ein völlig rundes Haus, wie es die Eskimos bauen. Das zweite Foto zeigte ein Haus, das spitz nach vorne zulief. Und auf dem dritten Foto sah man nur ein Schild mit der Aufschrift Nr. 15.
Der Kommissar schüttelte den Kopf und dachte:
“Nimm es leicht, fliege wie ein Albatros dahin.“
Simone Schwarzkopf klingelte an der Haustür. Nach einer langen Weile erschien eine etwa 75jährige Frau, die nichts sagte, sie aber misstrauisch beäugte.
Sie sieht aus wie eine alte Hexe, dachte Simone Schwarzkopf.
Kommissar Kammeier setzte seine Sonnenbrille ab und lächelte charmant und freundlich. Er hörte wie sie nett sagte:
“Was kann ich für sie tun?“
Charly Kammeier sagte:
“Kripo Vandenburg, mein Name ist Charly Kammeier, das ist meine Kollegin Frau Schwarzkopf, wir möchten mit Kurt Waller sprechen.“
Die Hitze hatte noch zugenommen, Kammeier schwitzte heftig unter den Achselhöhlen. Die ältere Dame stellte sich als Mara Lehmann vor. Simone Schwarzkopf beobachtete die alte Frau. Sie sieht grau und eingefallen aus, dachte sie. Schwarzkopf beobachtete, wie die alte Frau mit einer krummen Haltung ihnen voraus ging ins Haus. Nur eine schwache Küchenfunzel beleuchtete das Dunkel. Sie waren in der Küche angelangt. Rechts und links standen mannshohe Stapel mit Sachen. Nur ein kleiner schmaler Gang führte ins Wohnzimmer. Hier gab es gar kein Licht mehr. Mara Lehmann hatte Plastiktüten voller Bekleidung und Müll aufgeschichtet, links hoch zu einer Wand und rechts ebenso.
Ein kleinen Augenblick lang war Kommissar Kammeier geschockt, dann trat er wieder durch eine kleine Tür ins Licht und freute sich über ein geräumiges und helles Wohnzimmer. Die ältere Dame führte sie in den sonnendurchfluteten Wintergarten mit Blick auf Hof und Wiesen.
Irgend jemand hatte Kaffee und Kuchen vorbereitet, als habe man auf sie gewartet. Am Tisch saßen scheinbar Verwandte.
Mara Lehmann stellte vor:
“Die Herrschaften sind von der Kripo Vandenburg. Das ist mein Sohn Reiner, und das ist Kurt Waller.“
Während Kommissar Kammeier sich mit seinen 1,90 m in einen Stuhl fallen ließ, beobachtete er aus den Augenwinkeln, wie Kurt Waller die zauberhafte Simone Schwarzkopf verschlang. Kurt Waller schätzte der Kommissar auf Anfang 50. Er war schlank und ganz in schwarz gekleidet, was ihm gut stand. Bei der Begrüßung hatte er seinen Elbsegler abgesetzt. Er hatte nur noch Augen für ihren in der Tat schönen, kleinen Hintern. Kurt Wallers Augen wurden immer größer und standen fast aus den Augenhöhlen heraus.
Kommissar Kammeier sagte zu Kurt Waller gewandt, den er zwar ein wenig überheblich, aber doch sympathisch fand:
“Wir haben den Mord an Feng Wang zu klären. Frau Wang wurde am Abend des 29. Juni in einem Abbruchhaus am Ende der 5. Straße ermordet. Herr Waller, wo waren sie am 29.Juni zwischen 20 und 22 Uhr?“
Kurt Waller antwortete:
“Ich war hier im Hause bei Mara Lehmann und habe mit den anderen Fernsehen geschaut.“
Diese Aussage wurde von allen Anwesenden bestätigt. Kommissar Kammeier fand sowohl die alte Lehmann auch als ihren Sohn Reiner Lehmann sehr glaubwürdig und sympathisch. Sie würden niemals jemanden anlügen. Simone Schwarzkopf fragte Kurt Waller daraufhin:
“Wir haben gehört, dass Sie lange Zeit mit Feng Wang ex Katharina Lehmann zusammen waren. Wie geht es Ihnen mit dem Tod von Frau Wang?“
Kurt Waller war ein gut aussehender Mann, der in seinem Leben viele Frauen gehabt hatte. Es war allerdings nie zu längeren Beziehungen gekommen, bis auf die Liaison mit Katharina Lehmann. Kurt Waller räusperte sich etwas und sagte dann zu Frau Schwarzkopf:
“Ich will ganz ehrlich sein. Ich habe Feng Wang geliebt. Immer. Auch wenn ich mir das oft nicht eingestehen wollte. Ich wollte sie sogar früher heiraten, aber brachte ihr nicht genug Geld nach Haus. Später hat sie dann aus finanziellen Gründen den Alten geheiratet. Sie hätte nach ihm eine schöne Rente bekommen.
Aus unserer Beziehung ist sogar ein Kind hervorgegangen, der studiert inzwischen. Ich bin traurig, dass sie nicht mehr da ist, und ich bin auch erleichtert, weil sie mir oft das Leben zur Hölle gemacht hat. Noch als wir zusammen waren hat sie mich erniedrigt und gekränkt.“
Kommissar Kammeier dachte, dass dieser Mann ein ideales Motiv für den bestialischen Mord hatte. Aber der Mann hatte ein Alibi.
Der Mann mit dem Elbsegler, den er immer wieder irgendwo gesehen hatte. War Kurt Waller der Mann mit dem Elbsegler? Auch das war kein Beweis.
Kurt Waller hatte das beste Motiv, aber war er es auch gewesen oder hatte er sich vielleicht vom Senator benutzen lassen? Hatten die beiden Gemeinsamkeiten?
Die Kommissarin Simone Schwarzkopf hing anderen Gedanken nach. Obwohl oder gerade weil sie den Senator Hu Wang nicht kannte, hatte sie ihn im Verdacht.
Kommissar Kammeier fragte Waller:
“Was glauben Sie, wer Feng Wang ermordet hat?“
Es trat Stille ein. Kammeier schaute aus dem Wintergarten und bewunderte die dort grasenden Pferde. Er konnte seine eigene Atmung hören. Sein Blick fiel auf Simone, die eigenartig angespannt wirkte.
Kurt Waller fuhr fort:
“Senator Hu Wang gehört einem Club älterer Männer an, alle schwer vermögend, die sich öfters in einem Haus am Anfang der 5. Straße treffen. Sie bringen ihre Liebessklavinnen und Geliebten dort mithin, tauschen, schauen Striptease zu, lassen es sich machen, schauen anderen beim Sex zu. Die Männer sind alle schon weit über 60 Jahre alt. Sie halten sich die jungen Frauen wie Sklavinnen.
Feng Wang wusste von den Neigungen und Interessen ihres Mannes. Sie drohte damit, ihn auffliegen zu lassen und ihn anzuzeigen, wenn er ihr nicht sein Haus und Vermögen überschriebe.“
Die Kommissarin Schwarzkopf wurde hellhörig. Wurde das jetzt ein Entlastungsangriff oder ein richtiges Mordmotiv?
Hatte Katharina Lehmann ihren Ehemann mit seinen sexuellen Neigungen erpresst, um an sein gesamtes Vermögen heran zu kommen?
Der Kommissar fragte sich, ob Waller vielleicht im Auftrag des Senators, eventuell auch für Geld, seine ehemalige Geliebte umgebracht hatte.
Es war kurz vor zwölf Uhr als Simone Schwarzkopf auf ihre Armbanduhr schaute. Sie musste sich eingestehen, dass sie Kurt Waller mochte, und zwar mehr als ihr lieb war. Der Mann sah gut aus, der Mann hatte Charme und er machte ihr Avancen. Gut, der Mann war 25 Jahre älter, sie war zurzeit ungebunden…
Da Simone Schwarzkopf manchmal Gedanken lesen konnte, wusste sie auch, was Kurt Waller dachte. Und Kurt Waller war nicht nur scharf auf sie. Kurt Waller kannte den Mann mit dem Elbsegler. Kurt Waller hatte ein dunkles Geheimnis.
Als die Kommissare das Haus verließen, grüßte Mara Lehmann einen Mann, der auf einem Fahrrad vorbei fuhr. Kommissar Kammeier fuhr herum und saß den schwarzen Mann auf dem Fahrrad mit einem Elbsegler vorbeifahren. Der grüßte Mara Lehmann freundlich und die Alte meinte noch zu ihm:
„Mensch Hinnerk, wie geht’s Dir. Lass Dich mal wieder sehen.“
Hinnerk meinte im Vorbeifahren:
„Ich komm später mal vorbei, wenn Dein Besuch weg ist.“
Der Schwarze fuhr weiter und der Kommissar meinte zu Mara Lehmann:
„Wer war das,Frau Lehmann?“
„Das ist doch der Hinnerk Frahm, der in der Kurverwaltung zusammen mit Kurt arbeitet.“
Kammeier ließ nicht locker, weil er einen Mann in schwarz mit Elbsegler schon öfters gesehen hatte:
„Und was macht der Hinnerk Frahm so den ganzen Tag?“
Da keine befriedigende Antwort kam, ließ sich Kammeier die Adresse von Frahm geben. Man wusste ja nie.
Kurt Waller kam neugierig aus dem Haus heraus und verschlang Simone Schwarzkopf mit seinen Augen. Sie lächelte ihn wohlwollend an und fragte dann:
„Sagen Sie Herr Waller, wie lange arbeiten Sie hier schon in der Kurverwaltung? Und wie lange arbeitet Ihr Kollege Hinnerk Frahm hier?“
Waller freute sich über die Aufmerksamkeit seiner neuen Angebeteten und meinte:
„Feng Wang ist jetzt seit zehn Jahren hier weg. Vorher hatte sie zusammen mit Hinnerk gearbeitet. Sie war seine Vorsetzte, aber ich glaube, die beiden hatten auch etwa miteinander. Der Hinnerk ist bestimmt schon seit 20 Jahren in der Kurverwaltung.“
Und wieder lächelte Simone Schwarzkopf ihren neuen Verehrer an und bedankte sich.
Simone Schwarzkopf steckte Kurt Waller ihre Visitenkarte zu.

6. Kapitel
Wer war der Mörder von Feng Wang?
War es der zu Gewalttätigkeiten neigende Alkoholiker Lenden, der die gleiche Bekleidung wie der Mörder anhatte und dem man den Gewaltakt gut zu trauen konnte? Oder war es der chinesische Senator, der von seiner Frau erpresst wurde? Oder war es ihr Exfreund und Liebhaber Kurt Waller, der sie über alles liebte und den sie schlecht behandelt und gemoppt hatte?
Diese Fragen stellten sich Kommissar Charly Kammeier und seine Kollegin Simone Schwarzkopf, als sie wieder in ihrem Büro in der Fischhalle V angelangt waren.
Kammeier meinte zu seiner jungen Kollegin:
"Du stehst auf diesen Kurt Waller, ich habe es bemerkt. Und der Typ war superscharf auf Dich."
"Ach was Du immer hast", meinte sie. "Du bist bloss eifersüchtig."
Der Kommissar fuhrt fort:
"Lass uns mal sachlich werden."
"Ich bin sachlich", meinte Simone und lächelte schelmisch.
"Charly Kammeier holte tief Luft, ignorierte Simones schöne lange Beine und meinte dann:
"Wir müssen die Alibis der drei prüfen. Lenden hat kein Alibi. Was das Alibi des Senators betrifft soll Engelhardt sich in der 5. Straße umhören. Bleibt noch Kurt Waller, dessen Stieffamilie ihm ein Alibi gibt.
Ach ja, und dann ist da ja noch dieser neue schwarze Mann mit dem Elbsegler, Hinnerk Frahm, der Mann, der früher mit Feng Wang in der Kurverwaltung zusammen gearbeitet hat und vielleicht auch etwas mit ihr hatte."
Der Kommissar entspannte sich. Er dachte ans Wochenende. An dachte an seine geliebte Maria und wünschte sich nur eines: endlich nach Hause zu kommen. Laut sagte er zu seiner Kollegin, während die Bürotür aufging:
„Mein Gefühl sagt mir, dass der Senator da irgendwie mit drin hängt. Vielleicht hat er den Mord nicht selbst begangen, vielleicht hat er ihn in Auftrag gegeben und dabei jemanden gefunden, der selbst ein starkes Motiv hatte. Ich denke dabei auch an Deinen neuen Verehrer, Kurt Waller. Wann trefft ihr Euch?“
Der Locher flog durch den Raum und traf den Kommissar fast am Kopf.
Simone grinste und entschuldigte sich sofort. Sie sagte:
„Ich könnte ja als Lockvogel agieren. Treffe mich mit ihm, wenn er anruft und horch ihn aus. Was hältst Du davon?“
Der Kommissar war hin und her gerissen von dem Vorschlag. Ihm war schon klar, dass Simone nicht nur dienstliche Interessen verfolgte. Andererseits war es wichtig, mehr über Kurt Wallers Vorleben zu erfahren. Die Familie würde ihnen nichts erzählen. Die hielten zu ihm, als sei er der Schwiegersohn. Vielleicht kam Simone über ein Date mit Kurt Waller auch an diesen ominösen Hinnerk Frahm heran. Es war riskant.
Charly Kammeier war sich über seine Gefühle gegenüber seiner Kollegin einigermaßen klar, trotzdem wollte er nicht, dass sie sich in Gefahr begab. Andererseits hatten sie eine andere Chance.
Durch die geöffnete Tür erschien Klaus Engelhardt.
Die beiden freuten sich, ihn zu sehen.
„Na, ihr Ausreißer wie geht’s Euch“, meinte er.
Kammeier und Schwarzkopf berichteten von ihrem Besuch in Qindao. Dann fragte Charly Kammeier:
„Sag mal Klaus, hast Du das Alibi von Senator Hu Wang überprüft?“
„Ich habe mit einigen Kollegen zusammen die Straße auf beiden Seiten abgeklappert. Wir hatten Fotos von Hu Wang dabei sowie die Kennzeichen seines neuen weißen Daimlers. Das hat fast zwei Tage gedauert. In Nummer 9 wohnt die Cousine von Feng Wang. Eine Monika Lehmann. Die hatte am Samstag nach 20 Uhr Besuch von Senator Hu Wang.“
„Und was wollte der Alte dort?“
Klaus Engelhardt:
„Nun, er hat sie besucht, sich nett unterhalten und hin und wieder nervös aus dem Fenster geschaut. Man kann von dort sehr gut das Haus Nr. 5 beobachten.“
„Ach ist ja interessant“, meinte Simone Schwarzkopf, „dann hat der Ehemann vielleicht kontrolliert, ob der Auftragskiller seine Arbeit auch ordentlich macht.“
Charly Kammeier meinte dann zu Klaus Engelhardt:
„Simone hat Kurt Waller ihre Visitenkarte gegeben. Wenn er sich bei ihr meldet, möchte sie sich mit ihm treffen, um ihn auszuhorchen und auch mehr über Hinnerk Frahm raus zu kriegen. Was hältst Du davon? Meine Bedenken sind, dass ich das Gefühl habe, dass die beiden aufeinander abfahren und sich verlieben. Simone ist m.E. voreingenommen.“
Mit Blick auf den Fischhafen meinte Engelhardt:
„Mir scheint, das zur Zeit unsere einzige Möglichkeit. Wir sollten Risiko spielen und Simone vertrauen.“
Simone Schwarzkopf meinte dann zu Kammeier:
„Ich habe das Gefühl, Kurt Waller hat ein dunkles Geheimnis. Ich habe einige seiner Gedanken gelesen. Mir ist er etwas unheimlich.“
Kommissar Kammeier lehnte sich zurück und griff in seine Jacke. Ihm fiel es wieder wie Schuppen von den Augen. Er hatte das Tagebuch in den letzten Tagen gelesen. Diese eine Stelle wollte er ihnen vorlesen.
Er blickte Engelhardt und Schwarzkopf an und meinte dann:
„Ich habe ein Tagebuch aus dem Zimmer von Feng Wang mitnehmen können. Eine Stelle daraus möchte ich Euch vorlesen.“
Er hatte sich ein Lesezeichen in dem Buch gemacht. Kammeier zitierte:
„Hu Wang und Kurt Waller haben sich heimlich hier im Haus getroffen. Hu Wang dachte, ich bin zur Arbeit. Mein Mann hat Kurt vorgeschlagen, dass er mich umbringen soll. Er hat ihm dafür 50.000 € und einen Job in Vandenburg versprochen. Kurt hat den Auftrag angenommen. Ich glaube, Kurt überschätzt sich. Er ist sexuell völlig abhängig von mir. Ich könnte ihn auspeitschen und er würde sich noch dafür bedanken und mir die Füße küssen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich von ihm nicht weg komme. Manchmal verachte ich ihn. Ich weiß nicht wofür.“
Im ersten Stock der Fischhalle V war Schweigen eingetreten.
Sie verabschiedeten sich und Kammeier und wollte endlich ins Wochenende gehen. Zu Simone Schwarzkopf sagte er:
„Sei vorsichtig, wenn er anruft. Hast Du ihm Deine Handy-Nummer gegeben?“
Sie sagte nichts, aber sie nickte und wurde rot im Gesicht.
Blöde Kuh, dachte Kommissar Kammeier und ging.

7. Kapitel
Es geschah an einem wundervollen Sonntagmorgen. Kurz nach 8 Uhr klingelte Simone Schwarzkopfs Handy. Sie verspürte leise Angst, als sie die Telefonnummer von Kurt Waller entdeckte.
Was soll ich tun? dachte sie.
Sie war jetzt dreißig Jahre alt und im besten Alter. Die Männer standen Schlange bei ihr und sie hatte es überhaupt nicht nötig sich mit einem 55 jährigen einzulassen, der unter dringendem Mordverdacht stand.
Außerdem machte ihr sein dunkles Geheimnis Angst.
Das Handy klingelte weiter und begann zu nerven.
Simone blickte nach draußen. Ja, Aldera war wunderschön. Sie hatte an diesem Tag noch nichts vor, außer ein paar Runden im Bürgerpark zu laufen.
Sie musste sich eingestehen, dass Kurt Waller sie auf irgendeine Weise angesprochen hatte. Sicherlich, der wollte mit ihr ins Bett, das war ihr auch klar, aber da war noch etwas Anderes, etwas ganz Besonderes.
Die Kollegen hatten ihr grünes Licht gegeben, dass sie sich aus dienstlichen Gründen mit ihm treffen sollte um heraus zu finden, ob sein Alibi stimmte, was mit ihm los war.
Ihr Handy hörte auf zu klingeln.
Schade, dachte sie, der gibt auf.
Vielleicht sollte so sein.
Sie stellte sich vor, wie es gewesen wäre, zusammen mit Kurt Waller in Qindao auf der Promenade spazieren zu gehen. In der vergangenen Nacht hatte sie schon von ihm geträumt, und sie hatten Supersex zusammen gehabt.
Sie schimpfte mit sich. Lass dich nicht so gehen.
Simone ging zum Spiegel und sagte laut zu sich:
"Ich habe es doch gar nicht nötig, mit einem so alten Mann ins Bett zu gehen, wahrscheinlich hat er einen Bierbauch, Falten, eben ein alter Sack."
Sie musste jetzt an Kurts Gesicht denken, dass ihr so gut gefallen hatte.
Draußen schien die Sonne hell und freundich. Es waren 20,9°C.
Das Handy klingelte erneut, sie verspürte Aufregung und ging ran und meldete sich.
"Hier Kurt Waller, guten Morgen Frau Schwarzkopf. Wie geht es Ihnen?"
Er hätte eine schöne Stimme, die ihr gefiel und sofort wieder dieses Gefühl von Geborgenheit und Nähe vermittelte, was sie an ihm fasziniert hatte.
"Hallo Herr Waller, wie gehts?"
Waller arbeitete sich behutsam vor. Er sagte:
"Was halten sie davon, wenn wir uns zu einem Spaziergang in Qindao treffen? Ich kenne hier einen netten Biergarten direkt an der Promenade mit Blick auf die Salzwiesen und die Sandbank."
Simone verspürte eine Aufregung wie vor dem ersten Rendezvous. Sie hatte auch Angst, aber da war auch diese Lust auf diesen gut aussehenden interessanten Mann.
"Sie gehen ja ganz schön ran", meinte sie etwas abwehrend, aber dann doch einlenkend "ja gerne. Was halten sie davon, 15 Uhr vor dem Hotel Strandlust?"
Als das Telefonat beendet war, schimpfte sie mit sich, schwelgte in Glücksgefühlen, machte sich Gedanken und Sorgen.
Während Simone sich auf ihrer Couch entspannte, griff sie zum Handy, um ihren Vorgesetzten Charly Kammeier zu informieren.
„Gut Simone, ich werde eine Stunde eher da sein, um den Ort und die Gegend zu checken. Ich werde wahrscheinlich drinnen im Restaurant sitzen und dort etwas essen, also in Reichweite. Sei vorsichtig und verlieb Dich nicht in den Knaller.“

8. Kapitel
Ein namenloser Sommertag in Qindao. Das heiße Wetter machte Kommissar Kammeier zu schaffen, der im Restaurant "Strandlust" saß und seinen dritten Calvados trank. Die Sonne schien in das Lokal und brachte den Kommissar zum Schwitzen. In wenigen Minuten würde seine Kollegin Simone sich dort draußen im Biergarten mit diesem Kurt Waller treffen.
Kammeier hatte sich beim Gang durch die Fußgängerzone von Qindao gefragt, was die weiße C-Klasse von Senator Hu Wang hinter dem Hotel machte. Schlich der hier auch herum?
Kammeier war nicht eifersüchtig auf seine süße Kollegin.
Er bestellte sich noch einen vierten Calvados.
Darum bekam er auch nicht mehr mit, dass Kurt Waller bereits draußen bei sengender Hitze im Biergarten saß, sein kaltes Bier trank und den Blick auf die Salzwiesen genoss.
Kurz darauf erschien mit einem etwas zu kurzen Rock und einem wunderschönen Ausschnitt Simone Schwarzkopf. Sie strahlte und lächelte und setzte sich zu Waller.
Es war noch kein Wort gefallen, aber Simone spürte sofort, dass mit Waller etwas nicht in Ordnung war. Er trug eine Sonnenbrille und er hatte nicht die Absicht diese abzusetzen.
Unsicher suchte Schwarzkopf nach ihrem Kollegen Kammeier, konnte diesen aber nicht entdecken.
"Wie gehts Ihnen, Herr Waller" fragte Simone freundlich.
Kurt Waller sah ernst und angespannt aus. Nichts mehr mit Verliebtheit.
Er sah auf den Tisch und mied ihren Blick.
"Könnten Sie vielleicht ihre Sonnenbrille absetzen, ich kann Ihre Augen gar nicht sehen?" meinte sie freundlich.
Nein, Kurt Waller wollte seine Sonnenbrille nicht absetzen. Er wollte keinen Blickkontakt.
Kommissarin Schwarzkopf fragte sich, was mit dem Mann los war. Heute morgen noch spielte er den verliebten Kater, jetzt mied er ihren Blick.
Dann sagte Kurt Waller unvermittelt:
"Sie denken doch auch, dass ich Feng Wang umgebracht habe. Aber das stimmt nicht. Sie hat mich verfolgt und mir das Leben zur Hölle gemacht. Keiner versteht mich."
Es war an sich der schönste Tag des Jahres, aber das konnte Simone Schwarzkopf nun gar nicht mehr empfinden. Sie fragte sich allmählich, ob der Mann verrückt war. Sie wußte, dass das ein ungeheuerlicher Gedanke war, aber...
Als Senator Hu Wang das Restaurant von der Seite betrat, entdeckte er sofort den Kommissar und bestellte sich auch einen Calvados, grinste und setzte sich zu ihm.
"Na, Liebeskummer?"
Nachdem Kammeier nicht antwortete, meinte Hu Wang:
"Na denn Prost."
Und nachdem Hu Wang bemerkt hatte, dass der Kommissar schon alkoholisiert war, fuhr er fort:
"Sie sollten mich verhaften. Der da draußen ist doch verrückt. Der Kurt Waller weiß doch manchmal gar nicht, was er tut."
Charly Kammeier wurde kurzzeitig nüchtern. Sein Gehirrn fing an zu tickern. Was meinte der Senator mit dieser ironischen Anspielung?
Kammeier grinste. "Denken Sie, ich habe Sie im Verdacht?"
Die beiden lächelte sich wie Verbündete an.
Mit einem Blick nach draußen spürte Kammeier, dass da im Biergarten zwischen Schwarzkopf und Waller einiges schief lief.
Hu Wang fuhr fort und bestellt sich den zweiten Calvados:
"Der Kurt Waller ist doch schon seit Jahren bei einem Neurologen in Behandlung wegen seiner Paranoia. Wussten Sie denn das gar nicht?"
Kommissar Kammeier dämmerte jetzt der Grund des Auftritts. Sie prosteten sich freundlich zu.
"Ach Sie meinen, der Waller hat die Hu Wang in einem psychotischen Schub umgebracht?"
Draußen sah man jetzt die Kommissarin aufstehen. Sie verließ Kurt Waller. Und begann ihren Kollegen zu suchen. Wie ein Hündchen lief ihr Waller hinterher und nahm seine Sonnenbrille ab.
Bevor die beiden das Restaurant betraten, meinte der Senator zum Kommissar:
"Der Kurt Waller fühlte sich doch von Feng Wang verfolgt. Nicht sie hat ihn gemobbt, er ist verrückt. Nur ein Verrückter konnte sie wirklich lieben."
Simone Schwarzkopf hatte Angst vor Kurt Waller bekommen. Sie betrat das Restaurant, entdeckte ihren Chef, ging hin und umarmte und küsste ihn auf die Wange.
"Gott, was hast Du für eine Fahne, Charly."
Kommissar Kammeier trank einen Kaffee und wurde wieder etwas nüchtern, und fragte Senator Hu Wang, der gerade dabei war seinen dritten Calvados zu trinken:
"Was machen Sie eigentlich hier im Hotel Strandlust? Ganz zufällig zu dem Zeitpunkt als sich Kommissarin Schwarzkopf und Herr Waller dort im Biergarten trafen?"
Der Senator lächelte verschmitzt als er sagte:
"Ich stand oben am Hotelfenster und wartete auf eine Gelegenheit Kurt Waller zu erschießen, falls er quatscht."
Kammeier nahm die Aussage für ernst und antwortete:
"Dann haben Sie also doch Kurt Waller für den Mord an Ihrer Frau bezahlt. An dem Abend haben Sie gegenüber dem Tatort aufgepasst, ob auch alles nach Absprache klappt. Wieviel haben Sie Kurt Waller für den Mord gegeben?"
Sie hatten sich gesetzt. Kurt Waller trat an den Tisch, er hatte jetzt eine unangenehme und arrogante Art, als er sagte:
"Der vornehme Herr Senator hat mir 25.000 € in bar gegeben, dafür sollte ich Katharina umbringen. Nach getaner Arbeit sollte ich nochmals 25.000 € und einen Job bekommen.
Aber ich habe am besagten Abend kalte Füße bekommen, und bin nicht hingegangen. Nun schulde ich dem Alten 25.000 €. Mein Problem."
Simone Schwarzkopf war etwas von Kurt Waller weggerückt. Sie fand den Mann auf einmal unsympathisch.
Kommissar Kammeier holte tief Luft. Was war los?
Der Senator gab im scherzhaften Ton zu, er habe Kurt Waller versucht zu ermorden. Dafür hätte er ein Motiv. Aber war das nicht eher ein Scherz? Im Gegenzug belastete Kurt Waller den Senator Hu Wang als Drahtzieher des Mordes, sagte aber im gleichen Atemzug, er selbst habe es nicht gemacht.
Simone Schwarzkopf bestellte sich ein Mineralwasser und einen Espresso. Sie lächelte nun ihren Kollegen wieder ganz wie in alten Tagen an, als sei sie wieder frei für ihn.
Tja, dachte Kammeier, ich bin verheiratet, nichts zu machen.
Wer hatte Feng Wang ermordet? Hatte der Senator es selbst gemacht, oder war noch ein Ersatzmörder im Spiel gewesen?
Es musste schon lange nach 16 Uhr sein, die Temperatur war bei 28°C angelangt. Alle schwitzten. Aber es entstand plötzlich eine eiskalte Stimmung, als Kommissar Kammeier den Senator ansprach und sagte:
"Wer, wenn nicht Kurt Waller hat Ihre Frau umgebracht? Sie waren in der Nähe des Tatortes, Sie haben den Mord entweder selbst begangen oder in Auftrag gegeben."
Der Senator war in diesem Augenblick nicht der machtvolle chinesische Strippenzieher, sondern ein bescheidener und demütiger alter Mann, als er sagte:
"Ich habe einen schwarzen Mann mit Elbsegler aus dem Haus gehen sehen und dachte Kurt Waller hätte seine Arbeit gemacht, aber...es muss jemand anders gewesen sein. Ich weiß nicht, wer es war."
Kurt Waller hatte sich wieder beruhigt. Heimlich hatte er seine Pille genommen und er sah jetzt wieder einigermaßen normal aus, er lächelte Simone Schwarzkopf an und meinte dann:
"Schätzchen, wenn Du mit mir ins Bett gehst, verrate ich Dir den Namen des Mörders."
Simone Schwarzkopf schlug ihre wundervollen schönen langen Beine so übereinander, dass ihr Rock nach oben rutschte, und das erregte Waller.
Sie musste innerlich zugeben, dass sie dieser Waller irgendwie verrückt machte. Das arrogante war verschwunden und da wieder dieser gut aussehende ältere Mann, in den sie sich verliebt hatte.
Wie konnte sie ihn dazu bringen, ihr den Namen des Mörders zu nennen?
Kurt Wallers Augen wurden immer größer, als er auf ihre endlos nackten Beine schaute.
Ja, dachte er, für Sex mit dieser Kommissarin würde ich auch meinen besten Freund verraten.
Charly Kammeier war klar, dass Kurt Waller die Wahrheit gesagt hatte. Kurt Waller wusste, wer der wirkliche Mörder von Feng Wang war. Aber wie sollten sie es heraus bekommen?
Simone Schwarzkopf stand auf und sagte zu Kurt Waller:
"Ich bin einverstanden. Kommen Sie nehmen wir uns zusammen ein Zimmer."
Kurt Waller strahlte vor Vorfreude und stand ebenfalls auf. Die beiden verschwanden Richtung Rezeption.

9. Kapitel
Montag morgen in Vandenburg. Fischhalle V im Büro von Kommissar Kammeier. Sie saßen wieder zusammen: Schwarzkopf, Engelhardt und Kammeier.
Es war kurz nach acht Uhr. Keiner wußte, warum das Wetter diesen Wechsel Richtung Herbst vollzogen hatte.
Kommmissar Kammeier eröffnete das Gespräch mit der Frage:
"Und Simone, hat sich am Sonntag nachmittag auf dem Zimmer mit Kurt Waller noch etwas Neues ergeben?"
Simone Schwarzkopf trug ein langes schwarzes Kleid, das hatte es noch nie gegeben.
Normalerweise liebte sie Jeans. Sie holte Luft und meinte dann um Sachlichkeit bemüht:
"Kurt Waller hat mir erzählt, dass sein Kollege Frahm der Mörder von Feng Wang ist. Als Beweis führt er an, er sei an jenem Samstag dort vor Ort im Haus gewesen und habe alles mit angesehen. Als Mordmotiv gibt Waller an, Frahm sei jahrelang von Feng Wang hier in der Kurverwaltung gemoppt worden."
Kommissar Kammeier meinte:
"Und glaubst Du ihm?"
Simone Schwarzkopf wirkte undurchsichtig, es blieb unklar, ob etwas zwischen Waller und ihr gewesen war. Sie antwortete:
"Ich weiß es nicht. Ich glaube, der Mann ist paranoid. So paranoid wie dieser Fall. Trotzdem sollten wir diesen Frahm überprüfen, kann etwas dran sein."
Kommissar Kammeier stand auf und blickte aus dem Fenster. Er liebte diesen Blick auf die Fischdampfer und die alte Blickerwerft. Charly Kammeier dachte: Es wird Zeit, dass wir uns diesen Frahm mal etwas genauer anschauen.

Gerade in diesem Augenblick betrat der Kriminaldirektor das Zimmer und legte Kammeier ein Schreiben auf den Tisch mit der Bemerkung:

"Senator Hu Wang hat sich bei der Polizeileitung schriftlich über Sie beschwert. Er wirft Ihnen Voreingenommenheit, Unsensibilität und mangelnde Professionalität vor. Außerdem seien Sie am Sonntag mittag bei dem Einsatz in Quindao, als sich Frau Schwarzkopf mit Kurt Waller traf, betrunken gewesen. Ja, Sie hätten sogar mit dem Verdächtigen Hu Wang zusammen Schnaps getrunken. Er fordert ihre Absetzung von der Leitung der Mordkommission.

Kammeier was sagen Sie dazu?"

Der Kommissar fing an, sich zu erklären und zu rechtfertigen, aber er stand mit dem Rücken zur Wand. Er hatte das Gefühl, das sein Chef seinem Tennisfreund mehr glaubte als ihm.

Charly Kammeiers Magen zog sich zusammen. Er hatte einen Schweißausbruch.

Er dachte: das ist doch paranoid. Ich habe diesem Hu Wang nichts getan. Ich habe meine Arbeit sauber gemacht. Gut, ich habe Hu Wang im Verdacht, aber... Der Senator will ablenken, er will mich aus dem Verkehr ziehen. Er will mich fertig machen.

Van Heukelum fuhr fort:

"Morgen früh will ich Ihren Bericht auf dem Tisch haben. Und lassen Sie den Senator in Ruhe, der ist ein angesehener und reicher Mann. Den Mörder suchen Sie besser woanders.

Ich kenne Hu Wang schon lange vom Tennisspielen, ich bin mir sicher, dass er unschudig ist."

Den Abend verbrachte der Kommissar bis spät in die Nacht im Büro. Änderte, schrieb um. Als er gegen 22 Uhr nach Hause fuhr, hatte er Kopfschmerzen.

Am nächsten Morgen wachte er mit heftigen Kopfschmerzen auf, er hatte kaum geschlafen.

Als Kammeier seinen Bericht auf den Tisch des Vorgesetzten legte, meinte van Heukelum:

"Den kann ich so nicht an die Öffentlichkeit geben, den müssen Sie überarbeiten. Hier ist noch eine weitere Beschwerde von Hu Wang. Schreiben Sie auch dazu Ihre Stellungnahme."

Verdammte Scheiße, das hat mir noch gefehlt.

Dieser Konflikt hielt seinen Kopf wie eine stählerne Zange im Griff. Seine Kopfschmerzen ließen nicht nach.

In den nächsten Tagen hatte Kammeier mit seiner Frau Maria nur noch ein Thema:

Die Beschwerde von Hu Wang Nr. 1 und 2. Auf der Arbeit suchte er das tröstende Gespräch mit seiner Kollegin Simone Schwarzkopf.

Am Abend des 20. August waren die Beschwerden Nr. 1 und 2 fast vergessen. Inzwischen lag die 3. Beschwerde des Senators vor und Kammeier kämpfte mit seinem Verstand.

Tag für Tag gab es nur noch dieses eine Thema. Es machte ihn krank.

Am Nachmittag hatte er seinen Bericht zur 3. Beschwerde zum dritten Mal überarbeitet, weil der Vorsetzte nicht einverstanden war. Aber der Terror und die Paranoia nahmen kein Ende. In dem Fall selbst kamen sie auch nicht voran. Der Besuch bei Hinnerk Frahm war verschoben worden. Die Kommissare Schwarzkopf und Engelhardt waren jetzt auch angesichts der Angriffe von Hu Wang hellwach und misstrauisch geworden. Ihnen war klar: Hu Wang wollte nur ablenken. Hu Wang hatte Dreck am Stecken. Das Tagebuch des Mordopfers sprach eine deutliche Sprache, und auch Kurt Waller hatte ja den Senator beschuldigt den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Und Hu Wang war am besagten Abend ganz in der Nähe des Tatortes gewesen.

Am Abend des 20. August regnete es in Strömen, als Simone Schwarzkopf und Klaus Engelhardt den Zeugen Hinnerk Frahm in Qindao vernahmen. Frahm wohnte in einem Mietsblock, einer Zweizimmer-Wohnung, im II. Stock. Frahm war ein kleiner, schmal gebauter Mann mit Glatze und Bierbauch, er hatte ein ernstes Gesicht. Er bat sie etwas ängstlich mißtrauisch herein. Als die beiden Kommissare das Wohnzimmer mit Blick auf einen kleinen Wald betraten, saß dort Kurt Waller. Im Laufe des Gesprächs erklärte Hinnerk Frahm und Engelhardt nahm dies zu Protokoll:

"Ich weiß von Kurt Waller, dass der Senator ihn für 50.000 € beauftragt hat, seine Frau Feng Wang umzubringen. Am Abend des 29. Juni war ich gegen Abend etwa ab 19 Uhr dort im Abbruchhaus am Ende der 5. Straße. Zusammen mit Kurt Waller habe ich Frau Wang dorthin mit dem Auto und sie mit ihm in das Parterre gebracht. Dann wollte er alleine gelassen werden mit seiner Geliebten. Ich verzog mich scheinbar, beobachtete aber alles heimlich durch ein Küchenfenster. Ich musste mit ansehen, wie er sie gefoltert, mißbraucht und ermordet hat. Gegenüber im Haus saß der Senator Hu Wang und konnte uns beobachten."

Im Verlaufe des Gespräches bestätigte Kurt Waller zähneknirschend die Mordversion von Hinnerk Frahm. Als es an der Tür klingelte, erschien ein gut gelaunter Kommissar Kammeier. Simone Schwarzkopf erklärte in diesem Augenblick gerade Frahm und Waller für verhaftet. Die beiden Mordverdächtigen wurden von einem Streifenwagen ins Präsidium gefahren. Noch am gleichen Abend erhielt der Senator in seiner Villa Besuch von der Kriminalpolizei. Mit einem freundlichen Lächeln wurde Hu Wang von Schwarzkopf und Engelhardt verhaftet. Kommissar Kammeier stand vor der Tür und wartete. Es regnete wieder einmal in Vandenburg. Charly Kammeier grinste vor Schadenfreude. Der Regen fiel von oben nach unten und das war gut so. Als Kammeier das Grundstück Dürerstraße zwei verließ bog sich das eine Fenster des Hauses wieder wie damals und Kammeier dachte:

"Habe ich Paranoia oder was ist los?"

Als er am Abend seiner Maria davon erzählte, lachte sie ihn aus und meinte: "Du hast zuviel Kafka gelesen."

31.08.2008

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